Vom Patissier-Hinterhof zur katalanischen Ikone
Alles begann 1946 im hinteren Teil einer Schreinerei in Vilafranca del Penedès. Dort eröffnete der Konditor Josep Cudié seine erste eigene Werkstatt — mitten in der spanischen Nachkriegszeit, als Kakao rationiert war und er eigens nach Madrid reisen musste, um Bezugsscheine zu besorgen. Trotzdem setzte er von Beginn an auf Qualität und vertraute auf Mundpropaganda. Das Resultat: Das gesamte Dorf kannte schon bald seine Kreationen, und Kunden kamen von weither nach Vilafranca, um sie zu kaufen.
Was Josep Cudié 1946 zunächst „Cro-crem" nannte — eine Marcona-Mandel, umhüllt von selbst hergestellter Schokolade und mit Kakaopulver abgeschlossen —, taufte er bald in Catània um. Inspiriert von einem Pariser Konfekt der 1940er Jahre, schuf er damit etwas Eigenes, das sich zu einem gastronomischen Symbol Kataloniens entwickeln sollte. Das Familienunternehmen wird heute in der dritten Generation geführt, das handwerkliche Erbe ist dabei unverändert geblieben.
Handwerk, Rezeptgeheimnis und behutsame Innovation
Die Originalrezeptur der Catànies ist bis heute streng gehütet und wurde unverändert von Generation zu Generation weitergegeben. Alle Catànies werden im Werk in Vilafranca del Penedès nach dieser Stammrezeptur hergestellt. Neue Geschmacksrichtungen entwickelt das Team mit großer Sorgfalt — nach eigenen Angaben dauert es über ein Jahr, bis eine neue Variante marktreif ist. Das Grundprinzip lautet dabei: Innovation im Respekt vor der Tradition, damit jede neue Kreation die Essenz der ursprünglichen Catània bewahrt.
Bis in die 2000er Jahre arbeitete Cudié in einem Atelier im Stadtzentrum von Vilafranca. Das Wachstum des Unternehmens erforderte schließlich einen Umzug in den Industriepark Clot de Moja in Olèrdola — zunächst eine Halle, später eine zweite, 2022 folgte eine dritte. Heute beschäftigt Cudié rund 40 Personen und produziert zwischen 300.000 und 350.000 Kilogramm Catànies pro Jahr.
Neun Sorten, 30 Länder — und Nüsse jenseits der Mandel
Das Herzstück des Sortiments bleibt die klassische Catània: karamellisierte mediterrane Marcona-Mandel, eingehüllt in ein weißes Praliné und abgeschlossen mit einer dünnen Schicht reinem Kakaopulver — knusprig, cremig, mit einer deutlich herben Kakao-Note im Abgang. Daneben umfasst das Angebot inzwischen neun verschiedene Catània-Varianten, darunter eine Version mit Himalaya-Salz, die das Spiel zwischen Süße und Salzigkeit in den Vordergrund rückt, sowie eine dunkle Variante mit 70-Prozent-Kakao-Gianduja. Ergänzt wird das Sortiment durch karamellisierte Macadamia-Nüsse und Haselnüsse in ähnlicher Machart.
Rund 30 Prozent der Produktion gehen heute in den Export — Cudié ist in gut 40 Ländern präsent, von Europa über den Nahen Osten bis nach Japan, Taiwan und in die USA. Der Antrieb dahinter ist kein Massengeschäft, sondern das Prinzip des Geschenks: ein sorgfältig gemachtes, regional verwurzeltes Konfekt, das sich über die Jahrzehnte als Referenz der katalanischen Feinpatisserie etabliert hat.