Von der Staatsdestillerie zum weltgrößten Aquavit-Produzenten
Die Geschichte von Arcus beginnt nicht mit einer Gründerfamilie, sondern mit einem staatlichen Erbstück. Als Norwegen 1996 seinen staatlichen Branntweinmonopolisten Vinmonopolet aufspaltete, übernahm das neu gegründete Unternehmen Arcus alle Produktions-, Import- und Exportaktivitäten – samt den Rezepturen und Lagerbeständen, die über Jahrzehnte angehäuft worden waren. Darunter befanden sich Formeln, die auf den Kauf der traditionsreichen Løitens Brænderi im Jahr 1927 zurückgehen. Der Sitz des Unternehmens liegt in Hagan, nördlich von Oslo, wo auf dem Destilleriveien-Gelände bis heute produziert und gelagert wird.
Zur Geschichte von Arcus gehört unweigerlich die Lysholm-Familie aus Trondheim. Sie war es, die 1805 ein Schiff mit Fässern Kartoffelaquavit nach Ostindien schickte. Das Geschäft scheiterte, denn die Ware fand vor Ort keine Käufer und kehrte unverkauft zurück. Doch als die Fässer 1807 wieder in norwegischen Häfen öffneten, war der Aquavit kaum wiederzuerkennen: Das monatelange Schaukeln, die Temperaturschwankungen zwischen den Klimazonen, der Einfluss der salzhaltigen Seeluft hatten den Charakter des Spirits grundlegend verändert – runder, tiefer, komplexer. Jørgen B. Lysholm, der Neffe der Kauffrau Catharina Lysholm, erkannte das Potenzial, verfeinerte das Verfahren und brachte 1821 offiziell den LINIE Aquavit auf den Markt. Arcus trägt heute als Eigentümer der Marke die Verantwortung für dieses über 200 Jahre alte Erbe.
Destillationshandwerk zwischen norwegischer Kartoffel und dänischem Kräuterwissen
Arcus arbeitet nach klar definierten Handwerksprinzipien: Der Rohstoff für den norwegischen Aquavit ist gesetzlich vorgeschrieben – mindestens 95 Prozent des Basisspiritus müssen aus norwegischen Kartoffeln gewonnen werden. Der Kartoffelspiritus wird anschließend mit Wasser und Gewürzen in die Destillationsanlage gepumpt, auf Siedetemperatur gebracht und als aromatisches Destillat aufgefangen. Das Ergebnis ist ein klarer Gewürzextrakt, der die Basis jeder Abfüllung bildet. Im Warenlager in Hagan reifen rund 8.000 Eichenfässer gleichzeitig – Aquavit unterschiedlichen Alters, von sechs Monaten bis zu zwölf Jahren.
Für den Gammel Dansk Bitter Dram, der ursprünglich 1964 vom dänischen Blender J.K. Asmund bei Danske Spritfabrikker in Roskilde entwickelt wurde, liegt das Handwerk in einer anderen Disziplin. Drei Jahre lang testete Asmund über hundert Kräutersubstanzen, bevor er die Balance fand: 29 Kräuter, Blüten und Gewürze – darunter Angelikawurzel, Muskat, Anis, Ingwer, Vogelbeeren, Enzian und Sevilla-Orangen – werden destilliert und mazeriert, dann drei Monate in Tanks eingelagert, bevor die Abfüllung auf 38 % Vol. erfolgt. Kein einzelner Aromastoff darf überwiegen; das Ziel war und bleibt ein Bitter, der scharf und zugleich harmonisch bleibt. Die Produktion der Marke wurde 2015 nach Norwegen verlagert; an der Rezeptur hat sich nichts geändert.
LINIE, Løiten und Gammel Dansk – ein Sortiment mit Haltung
Das Kernstück des Arcus-Sortiments ist der LINIE Aquavit: Kümmel und Sternanis als führende Botanicals, destilliert im Pot Still, dann zunächst ein Jahr in Oloroso-Sherryfässern gelagert – und anschließend vier Monate auf See. Die Fässer überqueren dabei den Äquator zweimal, an Bord von Wallenius-Wilhelmsen-Frachtschiffen, die mehr als zwei Dutzend Häfen in Amerika, Lateinamerika und Asien anlaufen. Die ständige Bewegung der Wellen presst den Spirit rhythmisch in das Holz und wieder heraus, die wechselnden Temperaturen zwischen den Klimazonen beschleunigen den Austausch. Was zurückkommt, hat eine helle Bernsteinfarbe, eine cremige Textur, Noten von Kümmel, Sternanis, Vanille und einem Hauch Sherry im Abgang. Auf jeder Flasche sind Schiffsname, Abfahrtsdatum und Route aufgedruckt – eine lückenlose Provenienz, wie sie in der Spirituosenwelt selten ist.
Daneben steht der Gammel Dansk Bitter Dram: in Dänemark eine Feierritualie zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen und Jagdausflügen, in der Flasche ein dunkelbraun leuchtender Bitter mit Pfeffer, Zimt, Nelke im Anklang, einer herben Juniperus-Tanninstruktur in der Mitte und einem langen, leicht süßlichen Lakritzschwung im Abgang. Pur, zimmerwarm, in kleinen Gläsern – so wird er traditionell getrunken.