Von 400 D-Mark Startkapital zur internationalen Markengruppe
Andreas W. Herb gründete im Oktober 1993 in Paderborn die P.O.S. Marketing + Vertrieb GmbH — mit eigenen Angaben zufolge 400 D-Mark in der Tasche und dem klaren Ziel, internationale Getränkemarken in die deutsche Gastronomie zu bringen. 1994 stieß Peter Jürgens als Gesellschafter dazu, 1995 folgte eine langfristige Distributions- und Marketingkooperation mit der Miller Brewing Company, die dem Unternehmen 1998 seinen heutigen Namenszusatz gab: Miller Brands Germany GmbH, kurz MBG. Den Abkürzung behielten Herb und Jürgens auch nach der Neuausrichtung. 2003 kauften sie die bis dahin von der Warsteiner Brauerei gehaltenen Unternehmensanteile per Management-Buy-out zurück, 2010 lösten sie auch die Krombacher-Beteiligung ab. Seit 2005 firmiert das Unternehmen als MBG International Premium Brands GmbH — und befindet sich seitdem vollständig im Besitz der beiden Gründer.
Was als regionaler Szenegetränke-Vertrieb begann, ist heute eine Gruppe mit über 250 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro, verteilt auf Eigenmarken, Lizenzmarken und internationale Distributionsrechte.
Marken entwickeln statt Produkte verkaufen
MBG versteht sich nicht als klassischer Händler, sondern als Markenentwickler und -eigentümer. Der entscheidende Schwenk kam um das Jahr 2000: Ab da verlagerte Herb den Schwerpunkt zunehmend vom reinen Fremdvertrieb auf den Aufbau eigener Marken. Salitos war dabei der erste große Durchbruch — MBG übernahm die Salitos Brewing Company im Jahr 2000 und etablierte das Tequila-flavoured-Beer-Konzept auf dem deutschen Markt. Es folgten weitere Eigenmarken in unterschiedlichen Kategorien: von Schaumwein (Scavi & Ray) über Energy Drinks (effect) bis hin zu Premium-Spirituosen.
Die Markenarbeit folgt einem konsequenten Muster: globale Inspirationsquellen, konkretes Handwerk und ein klares Zielpublikum. Beim 9 Mile Vodka etwa entstand die Idee auf einem Road Trip durch Utah, USA — der Nine Mile Canyon gab der Marke ihren Namen und ihrer Flasche die Form: eine satinierte Granitstruktur, die an die Felsformationen des Canyons erinnert. Der Vodka selbst wird mehrfach destilliert und anschließend durch Granitsteine gefiltert, was ihm seine ausgeprägte Reinheit verleiht. Das Flaschendesign ist dabei kein Beiwerk, sondern Teil des Produktkonzepts.
Ein Portfolio zwischen Mexiko, der Karibik und Deutschland
Das heutige Sortiment von MBG spannt einen weiten Bogen: Salitos Tequila Gold und Silver stehen für mexikanische Agaven-Tradition, Crystal Head Vodka für die kanadische Premiumklasse, Haynes Rum für karibischen Charakter. Ergänzt wird das Spirituosen-Portfolio durch eigene Gin-Linien wie Sears sowie Likör-Marken wie Il Santo. Insgesamt vermarktet die MBG Group rund 500 Produkte unter eigenen und lizenzierten Marken — in Deutschland über den Lebensmitteleinzelhandel, den Fachhandel sowie die Gastronomie, international in mehr als 20 Ländern.
Was die Marken verbindet, ist weniger ein einheitlicher Stilkode als eine gemeinsame Haltung: Getränke sollen eine Geschichte erzählen, die über das Etikett hinausgeht. Ob mexikanische Agave, karibischer Rum oder mehrfach granitgefilterter Vodka aus Deutschland — MBG setzt darauf, dass Herkunft, Rezeptur und Verpackung eine stimmige Einheit bilden.