Mexikanischer Kaffee trifft karibischen Rum: die Ursprünge zweier Ikonen
Kahlúa und Malibu — zwei Marken, ein Dach. Beide gehören heute zum Portfolio von Pernod Ricard, dem französischen Spirituosenkonzern, der Malibu 2005 im Zuge der Allied-Domecq-Übernahme erwarb und Kahlúa ebenfalls in seinem Markensortiment führt. Die Geschichte beider Produkte beginnt jedoch weit voneinander entfernt und unter grundverschiedenen Bedingungen.
Kahlúa entstand in Mexiko, erste Erwähnungen reichen bis in die 1930er Jahre. Der Name stammt aus dem Nahuatl, der Sprache der Azteken. Produziert wird der Likör in der Region Veracruz, wo Arabica-Kaffeebohnen auf 900 bis 1.400 Metern Höhe wachsen — das gleiche Klima, das auch Zuckerrohr gedeihen lässt, die Basis für den verwendeten Rum. Beides, Kaffee und Zuckerrohr, kommt also aus derselben Landschaft und ergänzt sich in der Flasche so, wie es die Region vorgibt.
Malibu dagegen ist ein Kind der späten 1970er Jahre. Peter Fleck und James Espey, beide damals für International Distillers & Vintners tätig, stießen in Südafrika auf einen Kokos-Rum-Likör namens Coco Rico und brachten Spiritsentwickler Tom Jago ins Boot. Die drei erkannten das Potenzial sofort — der Geschmack von Kokosnuss, weißem Rum und Zuckerrohr-Melasse sollte eine breitere Bühne bekommen. 1980 erschien Malibu unter diesem Namen auf dem Markt, damals noch in handbesprühten weißen Flaschen, weil sich keine passenden Behälter auftreiben ließen. Produziert wurde der Likör ursprünglich in der West Indies Rum Distillery auf Barbados, heute stammt ein Großteil der Produktion aus Kanada.
Rohstoffe und Rezepturen: was hinter den Flaschen steckt
Kahlúa basiert auf einem klar definierten Rezept: Arabica-Kaffeebohnen aus dem mexikanischen Hochland, Rum aus Zuckerrohr und Vanille. Die Bohnen reifen bis zu sechs Jahre, bevor sie geerntet und geröstet werden. Erst dann wird Kaffee gebrüht und mit dem Zuckerrohrdestillat zusammengeführt. Das Resultat hat 20 % Vol. — moderat genug, um in Cocktails nicht zu dominieren, prägnant genug, um als Hauptaroma sichtbar zu bleiben.
Malibu arbeitet mit einem anderen Ansatz: Weißer Rum, destilliert aus Melasse, wird mit natürlichen Kokosnussaromen aromatisiert. Ein Teil der Kokosnüsse stammt nachweislich aus Philippinischen Anbaugemeinschaften, mit denen Malibu langfristige Lieferbeziehungen pflegt. Der Alkoholgehalt liegt bei 21 % Vol. — ebenfalls ausgelegt für eine breite Anwendbarkeit im Glas.
Kahlúa und Malibu im Glas: zwei Stile, unzählige Anlässe
Kahlúa hat sich als fester Bestandteil der Barkultur etabliert. Röstaromen, Karamell und Vanille machen ihn zur tragenden Zutat in Klassikern wie White Russian und Espresso Martini — Drinks, deren Popularität den Likör über Jahrzehnte in jeder gut sortierten Bar verankert hat. Pur über Eis zeigt er seine schokoladig-kräftige Seite; in Heißgetränken und Desserts funktioniert er ebenso zuverlässig wie hinter dem Bartresen.
Malibu spielt eine andere Rolle: süß, zugänglich, mit klarer Kokosnote und einem langen, cremigen Abgang. Klassisch in der Piña Colada oder dem Malibu Sunrise, taugt er aber auch als unkomplizierter Longdrink mit Ananassaft oder Cola. Mit seinen rund 150 Absatzmärkten gehört er zu den meistverkauften Kokosliköreu weltweit — ein Status, der zeigt, wie treffsicher das ursprüngliche Konzept von 1978 war.