Vom Trentiner Grappa-Erbe zur ersten Wachauer Marillen-Destillerie
Die Geschichte von Bailoni beginnt 1872 mit einer doppelten Leidenschaft: Eugenio Bailoni aus Vigolo Vattaro im Trentino stammte aus einer Grappa-Brennerfamilie und kannte das Handwerk von Grund auf. Auf einer Reise nach Österreich lernte er Rosa Amon kennen — eine Wachauerin — und folgte ihr ins Donautal. Mit dem Blick des erfahrenen Destillateurs erkannte er rasch, dass die Marillen der Region weit mehr hergeben als Konfitüre. Gemeinsam mit Rosa gründete er die erste Marillen-Destillerie der Wachau, mit Stammsitz in Krems-Stein, direkt an der Donau. Was als kleine Brennerei begann, wuchs über vier Generationen zu einem der bekanntesten österreichischen Spirituosenbetriebe. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entstand dabei auch die markante, bauchige Boxbeutel-Flasche, die Bailoni bis heute von jedem Regal hervorhebt.
1977 wurde Bailoni als einziger Marillenbrennerei der Wachau das österreichische Staatswappen verliehen — eine Auszeichnung, die die Bundesregierung Betrieben zuspricht, die für ihr Fachgebiet besondere Qualitätsmaßstäbe setzen.
Handwerk, Herkunft und die eigenen 1.500 Bäume
Bailoni bezieht seine Marillen nicht vom anonymen Markt, sondern aus dem eigenen Bestand: Rund 1.500 Marillen-Bäume in der Wachau liefern die Rohware für Schnaps, Likör und Konfitüre. Die Ernte beginnt Ende Juli, sobald die Früchte vollreif sind — geerntet wird ausschließlich von Hand, direkt vom Boden. Verarbeitungsverzögerungen gibt es keine: Die frisch geernteten Marillen werden unmittelbar im Stammhaus in Krems-Stein entsteint, gepresst und weiterverarbeitet. Die Wachauer Marille selbst trägt eine EU-geschützte Herkunftsbezeichnung, die ihre geografische Bindung an das Donautal zwischen Melk und Krems festschreibt — ein Qualitätsrahmen, der Bailoni von Anfang an als Heimvorteil zugutekommt. Die Destillerie kontrolliert nach eigenen Angaben jeden einzelnen Produktionsschritt, von der Blüte im April bis zur Abfüllung in die charakteristische Rundflasche.
Gold-Marillenschnaps, Likör und mehr — das Sortiment rund um eine Frucht
Das Herzstück des Sortiments sind der Original Wachauer Gold-Marillenschnaps und der Gold-Marillenlikör. Der Schnaps wird dreifach destilliert und besteht zu 60 % aus Marillendestillat — ein Anteil, der deutlich über dem gesetzlichen Mindestmaß liegt und dem Brand seine fruchtige Tiefe gibt. Der Likör, bernsteingolden im Glas, zeigt Aromen von Marillennektar und getrockneter Frucht, einen vollmundigen, seidigen Körper und einen langen, leicht honigartigen Abgang. Beide Produkte tragen das österreichische Gütesiegel. Neben diesen Klassikern umfasst das Bailoni-Sortiment einen Marillen-Frizzante, Marillenkonfitüre, Marillen-Perlen — eine Likör-Sphäre für Cocktails und Desserts — sowie Liköre aus Wachauer Kirsche und Zwetschke. Das Stammhaus in Krems-Stein bietet Führungen und Verkostungen nach Voranmeldung an; ein Flagship-Store am Steinertor in Krems macht die Produkte direkt vor Ort erlebbar.