Von der Gewürzinsel Ambon ins Jenever-Herz Schiedams
Die Geschichte von Bobby's Gin beginnt 1950 auf der Molukkeninsel Ambon: Jacobus Alfons — Bobby genannt von allen, die ihn kannten — wanderte von seinem Geburtsort Naku in die Niederlande aus und ließ sich in Schiedam nieder, der Stadt, in der Jenever erfunden wurde. Bobby liebte den holländischen Genever, vermisste aber die Aromen seiner Heimat. Also begann er, seinen Genever mit dem Pinang-Raci-Gewürzgemisch seiner Familie zu verfeinern: Zitronengras, Nelken, Zimt, Kubebenpfeffer, Koriander. Ohne es zu wissen, hatte er damit seinen eigenen Gin kreiert.
Jahrzehnte später, 2012, stieß Bobbys Enkel Sebastiaan van Bokkel bei seiner Mutter auf eine alte Flasche des Großvaters. Zusammen mit seinem Bruder David Blom machte er sich daran, das Familienrezept in ein marktreifes Produkt zu verwandeln. 2014 brachten die beiden Brüder Bobby's Gin offiziell auf den Markt — benannt nach dem Großvater, der mit seiner Gewürzmischung alles ins Rollen gebracht hatte.
Destillat-Handwerk in Schiedam: acht Botanicals, acht separate Brennvorgänge
Für die Produktion holten sich Sebastiaan und David die Herman-Jansen-Destillerie ins Boot, eine Familienbrennerei in Schiedam, die seit 1777 Spirits brennt und damit zu den ältesten ihrer Art weltweit zählt. Gemeinsam mit den dortigen Destillatoren arbeiteten sie fast zwei Jahre an der Rezeptur, bevor sie zufrieden waren.
Die Philosophie dahinter ist konsequent: Alle acht Botanicals werden einzeln destilliert — in kupfernen Pot Stills mit 300 und 600 Litern Fassungsvermögen —, damit jede Zutat ihr volles Aromaprofil entfalten kann, bevor die Destillate zu einem Blend zusammengeführt werden. Keine Zusatzstoffe, keine Zucker, keine Extrakte. Der fertige Gin wird auf 42 % vol. abgefüllt. Auch das Flaschendesign trägt die Familiengeschichte: Die Form lehnt sich an die klassische Jenever-Kruik an, das Zickzack-Muster auf dem Etikett ist das traditionelle indonesische Ikat-Motiv.
Ost trifft West — das Sortiment im Überblick
Das Kernprodukt, Bobby's Schiedam Dry Gin, bündelt acht Botanicals aus zwei Welten: Auf der indonesischen Seite stehen Zitronengras, Nelken, Zimt und Kubebenpfeffer, auf der europäischen Seite Wacholderbeeren, Koriander, Fenchel und Hagebutten. Im Glas zeigt sich das als kühle Zitrus-Öffnung, gefolgt von klarem Wacholder, warmen Gewürznoten von Nelke und Zimt sowie einem floralen, lang anhaltenden Abgang mit leicht pfeffrigem Biss. Pur, auf Eis oder mit einem milden Tonic — am besten ohne zu viel Schnickschnack — kommt das Zusammenspiel der Botanicals am deutlichsten zur Geltung.
Daneben existiert mit dem Pinang Raci Gin eine intensivere Variante, die den westlichen Anteil weitgehend zurücknimmt und stärker auf die indonesische Gewürzküche setzt: Daun Salam, Galgant, Kurkuma und Ingwer ergänzen dort Zitronengras, Nelken und Kubebenpfeffer. Wer tiefer in die Aromenwelt der Molukken eintauchen will, für den ist das der nächste logische Schritt nach dem Klassiker.