Vom Bürgerkriegs-Exil zur modernen Rioja: die Geschichte der Forner-Familie
Die Wurzeln von Marqués de Cáceres reichen bis ins Jahr 1920 zurück, als Enrique Forners Vater und Großvater in Valencia die Vinícola Forner gründeten. Der Spanische Bürgerkrieg trieb die Familie ins Exil nach Frankreich — was sich als prägender Umweg erweisen sollte. Enrique Forner baute dort eine neue Weinkarriere auf, eröffnete Kellereien im Rhône- und Loiretal und erwarb 1963 gleich zwei Grands Crus Classés im Haut-Médoc: Château Camensac und Château Larose Trintaudon. Mit diesem Bordeaux-Fundament im Gepäck kehrte er 1968 nach Spanien zurück und gründete 1970 in Cenicero, Rioja Alta, die Bodega, die heute seinen Namen trägt.
Den Namen selbst verdankt das Weingut einem adeligen Freund und Investor, dem Marqués de Cáceres. Der erste Jahrgang erschien 1975 — und sorgte sofort für Aufsehen, weil er sich von allem, was Rioja damals bedeutete, deutlich abhob. Seit 1983 arbeitet Cristina Forner im Familienbetrieb, seit 2007 führt sie ihn als Präsidentin. Unter ihrer Leitung wurde das Haus zum globalen Markenbotschafter: Heute werden die Weine in über 130 Länder exportiert.
Bordeaux-Handwerk trifft riojaanischen Boden: Philosophie und Arbeitsweise
Was Enrique Forner 1970 in die Rioja brachte, war revolutionär: strikte Traubenselektion, Kaltfermentation zur Aromenerhaltung, Reifung in neuen und halbneuen französischen Eichenfässern — Techniken, die sein Mentor, der Bordeaux-Pionier Émile Peynaud, im Médoc perfektioniert hatte. Damit brach er mit einer Kellertradition, in der Oxidation und überbordende Holznoten als Stilmerkmal galten. In den 1990er-Jahren beriet zudem Michel Rolland die Bodega und half, den Prestige-Wein Gaudium aus alten Reben in Cenicero zu entwickeln.
Die Trauben stammen nicht aus eigenem Besitz, sondern aus langfristigen Verträgen mit lokalen Winzern rund um Cenicero — insgesamt kontrolliert die Bodega rund 1.200 Hektar. Die Handlese ist dabei kein romantisches Relikt, sondern bewusstes Qualitätsprinzip: Jede Traube wird einzeln bewertet, bevor sie in den Keller kommt. Im Keller folgt eine lange Maischegärung, danach wählen die Kellermeister je nach Wein zwischen Edelstahltanks, alten und neuen Holzfässern. Seit 2014 betreibt Marqués de Cáceres zusätzlich eine eigene Anlage in der DO Rueda mit 120 Hektar Eigenbesitz für die Verdejo-Linie. Ein laufendes Nachhaltigkeitsprogramm hat den Wasserverbrauch der Bodega in fünf Jahren um 37 % gesenkt; Solarpanele decken einen Teil des Energiebedarfs ab. Die Zertifizierung Sustainable Wineries for Climate Protection belegt diesen Kurs.
Frucht, Finesse und Struktur: was die Weine von Marqués de Cáceres auszeichnet
Das Sortiment spannt einen weiten Bogen — von frischen Weißweinen aus Viura und Verdejo über einen lebendigen Rosado bis zu den klassischen Rioja-Rotweinen in den Reifestufen Crianza, Reserva und Gran Reserva. Im Zentrum steht stets Tempranillo, oft ergänzt durch Garnacha und Graciano. Der Stil folgt dem Credo Peynauds: Frucht vor Holz, Frische vor Schwere. Die Rotweine zeigen roten Beerenfrucht-Kern, feine Tannine und eine Würze, die aus dem Zusammenspiel von Terroir und sorgfältig dosiertem Fassausbau entsteht — kein dominantes Holz, das die Herkunft überdeckt. Die Weißen — ob der mineralisch-zitrusfrische Blanco aus Rioja oder der straffe Verdejo aus Rueda — profitieren von der Kaltfermentation, die aromatische Präzision garantiert. Wer sich durch das Sortiment arbeitet, erlebt, wie konsequent eine einzige Philosophie über mehr als fünf Jahrzehnte Bestand haben kann.