Vom Gasthof zur Spitzenadresse: drei Generationen am Kaiserstuhl
Die Wurzeln des Weinguts reichen zurück bis um die Jahrhundertwende, als sich rund um den Gasthof „Schwarzer Adler" in Oberbergen ein Weinbaubetrieb zu entwickeln begann. Prägend für den modernen Charakter des Hauses wurde Franz Keller senior (1927–2007): Als enger Freund von Paul Bocuse und Marc Haeberlin entdeckte er die großen Weine des Burgunds, importierte sie direkt nach Oberbergen und baute gleichzeitig sein eigenes Weingut konsequent um. Er war in Deutschland einer der frühesten Verfechter durchgegorener, trockener Weine und des Barrique-Ausbaus — zu einer Zeit, als Restsüße noch den Markt dominierte. Gegen die Flurbereinigungen der 1970er und 1980er Jahre, die historische Terrassen und Steillagen planierten, kämpfte er mit Nachdruck: Der Erhalt dieser alten Parzellen, einige davon aus römischer Zeit, war ihm Herzensangelegenheit.
1990 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Fritz Keller, der das Weingut zusammen mit Sohn Friedrich — der vierten Generation — weiterführt. Seit 2016 leitet Friedrich das Weingut operativ. 2014 folgte die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Das Restaurant „Schwarzer Adler" hält seit 1969 ununterbrochen mindestens einen Michelin-Stern.
Vulkanböden, Gravitationskeller, Burgund als Maßstab
Der Kaiserstuhl ist ein erloschener Vulkan — und das zeigen die Böden: Basaltverwitterung, Löss und Kalkstein wechseln sich ab, mitunter innerhalb weniger Meter. Diese Kombination, zusammen mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden, liefert die Grundlage für Tiefe und Struktur der Keller-Weine. Im Weinberg arbeitet das Team naturnah: mechanische Bodenbearbeitung, organische Düngung, Begrünung für Biodiversität. Erträge werden konsequent durch Ausdünnen und Grünlese reduziert, bei den Spitzenqualitäten auch durch Traubenteilung. Gelesen wird per Hand, oft in mehreren Durchgängen.
2013 entstand in Oberbergen ein dreistöckiger Gravitationskeller, in den Hang eingebaut: Trauben und Most bewegen sich vom Lesegut bis zur Abfüllung ausschließlich durch ihr eigenes Gewicht. Beratend wirkte dabei der burgundische Bodenkundler Claude Bourguignon, auf dessen Empfehlung die besten Lagen mit Burgunderklonen bepflanzt wurden. Große Weine reifen in kleinen und großen Eichenholzfässern; leichtere Weißweine teils im Stahltank, um Filigranität und Lebendigkeit zu erhalten.
Spätburgunder als Flaggschiff, Bassgeige als Maßstab
Das Sortiment dreht sich um Spät-, Grau- und Weißburgunder sowie Chardonnay. Die zentralen VDP-Einzellagen sind die Oberbergener Bassgeige, der Achkarrer Schlossberg, der Oberrotweiler Eichberg und der Jechtinger Enselberg. Die Qualitätspyramide reicht von zugänglichen Gutsweinen bis zu Großen Gewächsen aus den besten Parzellen. Der Spätburgunder steht im Mittelpunkt: burgundisch gedacht, mit präziser Frucht, gut integrierten Tanninen und dem Reifepotenzial, das vulkanische Böden ermöglichen. Fritz und Friedrich Keller achten darauf, den Pinot Noir nicht zu spät zu lesen — die Weine bleiben frisch und nie schwer.
Bei Weiß- und Grauburgunder aus der Bassgeige zeigen sich weitere Stärken des Hauses: Schmelz, Mineralität und eine lebendige Säure, die lange Hefelagerung mit Frische verbindet. Die Idee dahinter ist dieselbe wie seit Generationen: Wein als Tischbegleiter zu denken — nicht als Selbstzweck.