Von 68 Weinbauern zur Stimme Siziliens
Als 1958 in Menfi an der Südwestküste Siziliens 68 Weinbauern eine Genossenschaft gründeten, war das ein Akt des Widerstands. Das Territorium lag damals in der Hand weniger Großkellereien, die Massenware produzierten und den Ruf der Insel als Lieferant von Verschnittweinen zementierten. Die Gründer wollten aus dieser Abhängigkeit heraus — und setzten von Beginn an auf Qualität statt Volumen. Den Namen ihrer Genossenschaft leiteten sie vom Terroir selbst ab: Settesoli, „sieben Böden", verweist auf die vielfältigen Bodentypen, in denen ihre Reben wurzeln. Schon 1974 füllte Cantine Settesoli als erste sizilianische Winzergenossenschaft Weine in Flaschen ab und erschloss damit als Pionier den Exportmarkt, zu einem Zeitpunkt, als die gesamte sizilianische Weinwirtschaft noch ausschließlich Fasswein verkaufte. Heute zählt die Genossenschaft rund 2.000 Mitglieder, die gemeinsam etwa 6.000 Hektar Rebfläche bewirtschaften — und damit rund sieben Prozent der gesamten Rebfläche Siziliens.
Terroir-Forschung, Nachtlese und ein eigenes Solarkraftwerk
Qualität entsteht bei Settesoli nicht im Keller allein, sondern beginnt mit einer jahrzehntelangen Untersuchung des Bodens. Über zwanzig Jahre kartierte die Genossenschaft gemeinsam mit Ampelographen die fünf Bodentypen des Menfi-Gebiets — Ton, Kalk, Lehm, Mischböden und Sand — und legte fünf Experimentierfelder an, auf denen gezielt getestet wurde, welche Rebsorte auf welchem Untergrund ihr volles Potenzial entfaltet. Aus dieser Forschungsarbeit entstand 1999 die Premiummarke Mandrarossa, deren Trauben ausschließlich aus den kartographisch besten Lagen stammen. Um die Aromaqualität der Weißweintrauben zu schützen, führte Settesoli 2010 als eine der ersten Kellereien in Italien die mechanische Nachtlese ein. Die Weinbereitung orientiert sich konsequent am Prinzip minimalen Eingriffs: Trauben werden qualitätsgestuft angeliefert und entsprechend vergütet — ein Anreizsystem, das Sorgfalt im Weinberg direkt belohnt. Hinzu kommt ein eigenes Photovoltaik-Kraftwerk, das die Produktionsstätten mit erneuerbarer Energie versorgt, sowie rund 1.000 Hektar zertifiziert biologisch bewirtschafteter Rebfläche. Seit 2019 ist die gesamte Produktion als 100 % vegan zertifiziert.
Grillo und Nero d'Avola — Sizilien in seiner ganzen Bandbreite
Das Sortiment von Cantine Settesoli spannt den Bogen von zugänglichen Alltagsweinen bis zur Mandrarossa-Linie, die konsequent auf herkunftsbezogene Prägung setzt. Im Vordergrund stehen autochthone Rebsorten: Grillo mit seiner salzigen Mineralität und dem Zitrus-Drive, Nero d'Avola mit dunkler Frucht und mediterraner Würze. Daneben werden internationale Sorten wie Petit Verdot, Sauvignon Blanc oder Syrah vinifiziert — immer mit dem Anspruch, nicht Internationalität zu kopieren, sondern das Klima der Menfitana-Küste mit ihren über 3.000 Sonnenstunden, der trockenen Wärme und der beständigen Meeresbrise abzubilden. Das 2021 eröffnete, ausschließlich solar betriebene Mandrarossa-Weingut, organisch in die umliegenden Hügel integriert, steht für diesen Ansatz: Weinbau als Teil der Landschaft, nicht als Eingriff in sie.