Von der mittelalterlichen Herrschaft zum Aushängeschild von Moulis-en-Médoc
Die Geschichte von Château Poujeaux reicht bis ins Mittelalter zurück, als das Anwesen noch eine Dependance der Herrschaft Latour Saint-Mambert war – des heutigen Château Latour in Pauillac. Im 19. Jahrhundert erlangte das Gut seine eigenständige Identität und begann, eigene Weine zu erzeugen. Die Familie Theil verwaltete den Besitz über Jahrzehnte und baute dessen Ruf aus. 2008 erwarb Philippe Cuvelier das Château – er und seine Familie waren da bereits als Eigentümer von Clos Fourtet, einem Premier Grand Cru Classé in Saint-Émilion, etabliert. Mit dem Wechsel begann eine neue Ära für eines der traditionsreichsten Güter der Appellation Moulis-en-Médoc.
In der Klassifikation der Crus Bourgeois wurde Château Poujeaux in die höchste Kategorie, die Crus Bourgeois Exceptionnels, aufgenommen – eine Auszeichnung, die nur neun Gütern im gesamten Médoc zuteilwurde.
Nachhaltige Arbeit im Weinberg, präzise Vinifikation im Keller
Das 70 Hektar große Weinbergsgut liegt als nahezu geschlossener Einzelblock auf der Kuppe des Grand Poujeaux im Nordosten der Appellation. Der Boden besteht hauptsächlich aus quartären Kiesschichten – tiefgründigen Günz-Schottern, die Wärme speichern, Wasser ableiten und die Reben zur Tiefwurzelung zwingen. Die Rebstöcke stehen im Schnitt 30 Jahre im Boden, gepflanzt mit einer Dichte von 10.000 Stöcken pro Hektar.
Heute leiten Matthieu Cuvelier und Direktor Christophe Labenne das Gut gemeinsam, beraten von Önologe Stéphane Derenoncourt. Im Weinberg setzt das Team auf nachhaltige Bewirtschaftung: manuelle Lese in kleinen Kisten, Grünlese zur Ertragskontrolle, mechanische und manuelle Traubenselektion. Im Keller wird nach Rebsorte, Alter der Stöcke und Herkunft der Parzelle getrennt vinifiziert. Die Gärung erfolgt als Ganzbeere mit schonender Extraktion, der Ausbau dauert 12 Monate in französischen Eichenholzfässern, davon 30 % neu. Die Mengenselektion zwischen Grand Vin und Zweitwein ist konsequent – die jährliche Produktion liegt zwischen 21.000 und 24.000 Kisten des Hauptweins.
Struktur, Tiefe und das typische Gesicht von Moulis
Der Grand Vin Château Poujeaux setzt auf eine klassische Médoc-Assemblage: 50 % Cabernet Sauvignon, 40 % Merlot, 5 % Cabernet Franc, 5 % Petit Verdot. Das Ergebnis sind tief gefärbte, dichte Rotweine mit einem Gerüst aus feinkörnigen, dabei ausdrucksstarken Tanninen. In der Nase dominieren dunkle Beeren, Graphit und Gewürzakzente; der Abgang zeigt die mineralische Prägung des Kiesbodens. Der Zweitwein La Salle de Château Poujeaux sowie Haut de Poujeaux aus der Haut-Médoc-Appellation ergänzen das Sortiment für frühere Trinkanlässe. Poujeaux passt zu Lammkeule, Entrecôte à la bordelaise oder kräftigen Reifekäsen – und macht auch blind eine gute Figur.